In meinem letzten Post habe ich erwähnt, dass ich einen schwierigen Start ins Leben hatte.

Als ich 10 Wochen zu früh auf die Welt wollte, hielten mich die Ärzte bereits für tot und hatten mich abgeschrieben. Nur meine Mutter glaubte an mich und kämpfte darum, mich lebend entbinden zu dürfen. 💝

2 Monate war ich dann allein, weggesperrt in einem Brutkasten ohne Nähe zu meiner Mama. Ich will hier gar nicht aufzählen, was ich in den ersten Jahren durchstehen musste, nur soviel: Ärzte waren damals nicht sehr human oder einfühlsam, und Kinder wurden nicht für voll genommen.

Ich konnte das alles nur durchstehen, weil ich mir meinen Rückzugsraum geschaffen und mich nach außen abgeschottet habe. Meine innere heile kleine Welt sehe ich als wundervolle duftende Blumenwiese, auf der ich zwar allein, aber glückselig bin.

Das hatte aber auch zur Folge, dass ich nicht gesehen wurde. Ich war klein, unauffällig, unscheinbar, ruhig. Ich hatte immer das Gefühl, wenn ich nicht da wäre, würde es gar keinem auffallen.

Aber da war auch die Rebellin in mir, die Kämpferin. Und wenn die mal durchbrach, schäumte mein Temperament über. Dann schämte ich mich und verurteilte mich selbst. Ich fragte mich immer wieder, was ist richtig, was ist falsch an mir❓

Ich wusste nicht wer ich war, nur was andere von mir erwarteten.

Bis mich der Leistungsdruck und die Sucht nach Bestätigung und Anerkennung in den totalen Zusammenbruch führten.

Diese traumatische Prägung zu lösen und in eine friedliche Beziehung mit meinem inneren Kind zu kommen, war das allerallerwichtigste in meinem Leben.

Meine Kleine ist Kreativität pur. Und wenn sie die nicht ausleben darf, sterbe ich, ich gehe ein, wie eine Blume, die verwelkt.

In einem ganz besonderen Moment hat sich mir meine Kleine letztes Jahr gezeigt, sie hat mich gedrängt, sie zu malen. Ich saß grad in der Badewanne und hatte „zufälligerweise“ einen Zeichenblock zur Hand…

Die Zeichnung kam wie von Geisterhand aufs Papier und als ich das Ergebnis sah, war ich zu Tränen gerührt.

Es war, als würde ich in einen Spiegel schauen und zum ersten Mal mich selbst sehen. Mich, meine Seele. Ich konnte das fröhliche unschuldige Kind sehen. Es kam aber auch die ganze Traurigkeit hoch über all die Verletzungen. Wie tapfer, mutig willensstark und duldsam war ich doch gewesen! Ich habe mich klein gemacht (und von anderen klein machen lassen) und meine wahre Größe nicht zugelassen.

Es strömte so viel Liebe durch mich – bedingungslose Liebe. Und während ich diese Zeilen schreibe, kommen mir schon wieder Tränen der Berührung.

Ich erkannte, dass nur ich selbst mir diese Liebe geben kann, oder besser gesagt, dass ich sie immer in mir trage, sie aber weggesperrt hatte.

Als ich die Zeichnung so betrachtete, erinnerte ich mich an zwei Lieblingsfotos aus  meiner Kindheit. Zwei Bilder, die mich ebenso authentisch zeigen. Im Garten meiner Oma, wo ich immer eine unbeschwerte freie Zeit erleben durfte, und am Neusiedler See, wo ich mich über einen Marienkäfer freute, der auf mir herum krabbelte.

Ich habe das Bild dann in Farbe gemalt. Für den Blütenkranz habe ich das sonnige Gelb der Sonnenblume gewählt. Die Sonneblume wendet ihr Gesicht immer dem Licht zu und lässt den Schatten hinter sich. Der Marienkäfer steht nicht nur als Glückssymbol, sondern auch für die Hingabe und Demut für die Schöpfung und ihre (kleinen) Wunder. Die Farben habe ich bewusst zart aufgetragen, um die Leichtigkeit auszudrücken.

Mein Seelenbild hängt seither eingerahmt gegenüber meinem Bett. Jeden Morgen strahlt  mich meine Kleine von dort an und erinnert mich, sie nicht zu vergessen. 💞

 

Wie ich Jahre später meine große schwere Lebenskrise meisterte, kannst du in diesem Artikel lesen: